Gartenstadt-Genossenschaft Mannheim eG
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Ausgabe 09/ 2003

93 Jahre Gartenstadt-Genossenschaft

Am 26. August 1910 wurde unsere Genossenschaft von wagemutigen Frauen und Männern gegründet. Gewiss sind die seitdem verstrichenen 93 Jahre kein Grund zum Feiern, das wird dem 100-jährigen Geburtstag vorbehalten, aber es ist ab und zu sicherlich richtig, an frühere Zeiten zu erinnern und wichtige Ereignisse vor allem unseren jüngeren Mitgliedern nahe zu bringen. Am besten kann man die Geschichte an Hand von beteiligten Personen und deren Schicksalen lebendig werden lassen.

Es waren sozial geprägte Persönlichkeiten aus allen Schichten der Bevölkerung, die den aus England kommenden Gartenstadtgedanken aufgriffen und die von Oberbürgermeister Otto Beck in mehreren Denkschriften dem Stadtrat unterbreitete Wohnungsfrage zu ihrer eigenen Sache machten. Dr. Otto Moericke (1880-1965) war einer von ihnen. Er hatte sich im Frühjahr 1907 als junger Jurist bei der Stadt Mannheim um eine Anstellung zu einer „freiwilligen“, d.h. unbezahlten Arbeit beworben und wurde als „unentgeltlicher Hilfsarbeiter“ von Oberbürgermeister Otto Beck eingestellt. Welch ein Glück für uns!

Noch im gleichen Jahr erhielt er eine feste Anstellung mit einem Jahresgehalt von 3000 Mark. In seinen „Erinnerungen“, die in einem im Jan Thorbecke Verlag 1985 veröffentlichten Buch erschienen, schreibt Otto Moericke u. a.: „Als erste größere Arbeit hatte ich für den Oberbürgermeister zu begutachten, ob es sich dem Beispiel anderer Städte empfehle, eine gemeinnützige Rechtsauskunftsstelle für Unbemittelte einzurichten. Ein an jene Städte übersandter Fragebogen lieferte die Erfahrungen; ich empfahl, eine solche Stelle zu schaffen. Der Stadtrat beschloss, sie zu errichten und mir die Tätigkeit zu übertragen“. Die „außerhalb der Dienststunden“ durchgeführten Sprechstunden führten zu einer Aufbesserung der Jahresvergütung. Aber diese Sozialarbeit genügte dem jungen Stadtrechtsrat nicht. Er schrieb: „Die Wohnungsfrage hatte mich immer besonders beschäftigt. Einen Einblick in das Wohnungselend der Städte hatte ich mir als freiwilliger Zähler in Karlsruhe bei der Berufs- und Betriebszählung 1907 und in Mannheim bei der Volkszählung 1910 verschafft, wo ich mir den schlechtesten Bezirk hatte geben lassen. Seit Jahren war auch bei den Gemeindeverwaltungen das soziale Gewissen erwacht. Man hatte erkannt, welche Schäden gesundheitlicher, sittlicher und seelischer Art das Wohnungselend in den rasch wachsenden großen Städten verursachte, wo man der Bodenspekulation nicht entgegengetreten war und durch veraltete Bauordnungen das Entstehen von Mietskasernen und Hinterhäusern begünstigt hatte. Als ein Heilmittel erschien u.a. die Gründung von weiträumig angelegten und mit Gärten versehenen Gartenstädten und Gartenvorstädten. ... Ich wollte eine solche in Mannheim ins Leben rufen“. In diesem Vorhaben wurde er von Oberbürgermeister Paul Martin, der nach dem Tode von Otto Beck 1908 das Amt übernahm, genau so engagiert wie zuvor von Beck, tatkräftig unterstützt.

1905 war die Deutsche Gartenstadtgesellschaft in Berlin gegründet und in Dresden-Hellerau die erste Gartenstadt entstanden. Otto Moericke warb in Mannheim für die Errichtung einer Gartenstadt und fand viele einflussreiche Persönlichkeiten, welche diese Idee unterstützten. Einige verdienen es, in unserer Mitgliederzeitung besonders gewürdigt zu werden. Allen voran war es der Wohnungsreformer Dr. Hans Kampffmeyer, ein Mitbegründer und Generalsekretär der Deutschen Gartenstadtgesellschaft. Er hatte in Karlsruhe-Rüppurr bereits eine Gartenstadt gegründet. Gemeinsam mit dem Direktor der Strebelwerke Mannheim, Alfred Dreßler, beschlossen die drei Genannten 1909 eine Eingabe an die Stadt Mannheim und baten um Unterstützung auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück. Kampffmeyer, er wurde später Badischer Wohnungsinspektor, hatte damals einen großen Einfluss, weshalb er mit der persönlichen Zustellung der Petition beauftragt wurde.

In zahlreichen Vorträgen bereiteten namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Mannheim eine Genossenschaftsgründung vor. Einige wichtige Referenten sollen hier genannt werden: Dr. Fritz Wichert, Direktor der Kunsthalle Mannheim, Richard Böttger, Arbeitersekretär, später Bürgermeister und Ehrenbürger der Stadt, RA Dr. Ludwig Frank, MdR, Dr. Hans Kampffmeyer, Generalsekretär, der Arzt Dr. Mohr und Frau Dr. Elisabeth Altmann-Gottheiner, Dozentin der Handelshochschule. Nicht zuletzt trat aber Dr. Moericke selbst mit zahlreichen Schriften und Vorträgen über die Gartenstadt hervor. Er schreibt darüber z. B.: „Einen schönen Beifall erntete ich von 400 Arbeitern der Firma Benz“. ... „Immer mehr“ heißt es in einem Brief an seine Mutter, „werde ich mit dieser Sache verwachsen, und oft glaube ich, ich könnte mich nicht von ihr trennen“. Dieser engagierte Einsatz von Otto Moericke und vieler seiner Mitstreiter sollte von Erfolg gekrönt sein. Als die Gründungsversammlung stattfand unterschrieben 36 Anwesende die Satzung, kurze Zeit später zählte man aber bereits 200 Mitglieder. Dr. Otto Moericke wurde zum Vorstandsvorsitzenden gewählt. Zitat aus Moerickes Erinnerungen: „Als Vorsitzender des Vorstands hatte ich nun den ganzen schriftlichen und mündlichen Verkehr mit den Behörden, den Geldgebern und den Wohnungssuchenden zu führen. Hierbei vereinfachte es die Arbeit, dass ich sozusagen als Privatmann die Eingaben der Genossenschaft an die Stadt ausarbeitete und sodann als städtischer Rechtsrat, der die Bau- und Wohnungssachen zu bearbeiten hatte, die Entscheidungen der Stadt zur Vorlage an den Oberbürgermeister entwarf“. Zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats wurde Bürgermeister Dr. Julius Finter gewählt. Die 14 weiteren Aufsichtsratsmitglieder waren Vertreter der Industrie, der Kommunalpolitik und der Arbeiterschaft.

1911 konnte mit der Stadt ein Erbbauvertrag auf die Dauer von 70 Jahren über ein Gelände von 20,7 ha an der Südwestecke des Käfertaler Waldes abgeschlossen werden. Die Mannheimer Architekten Hermann Esch und Arno Anke erhielten den Auftrag einen Bebauungsplan und Pläne für Einfamilienhäuser verschiedener Größen, hauptsächlich in Zeilen oder Gruppen zu erstellen. Die Pläne fanden die Zustimmung der Genossenschaftsgremien und der Stadtverwaltung. Sie wurden von mehreren Gutachtern als sehr überzeugend und gut gelungen bezeichnet. Im März 1913 konnten die ersten fertig gestellten Häuser zur Besichtigung freigegeben werden. Während der 10-tägigen Ausstellung kamen Tausende Mannheimer in die Gartenstadt und bewunderten die Ergebnisse der in schwieriger Zeit großartig erbrachten Leistungen. Aber auch aus allen Teilen Deutschlands, aus Frankreich, Schweden, Ungarn, England und sogar aus Kanada, Amerika und Australien kamen Architekten, Journalisten und interessierte Besucher um die vorbildliche Mannheimer Gartenstadt zu erleben. „Die Gartenstadt war eine Sehenswürdigkeit geworden“. Dr. Moericke opferte seinen Besuchern viel Zeit bei den Besichtigungen, denn er legte großen Wert auf eine weite Verbreitung der noch jungen Gartenstadtidee. Vor allem wenn so prominente Gäste wie Oberbürgermeister Martin oder die Ehrenbürgerin Frau Julia Lanz kamen, ließ er sich die persönliche Führung durch die Siedlung nicht nehmen, schon gar nicht beim Besuch S.K.H. Friedrich II, des Großherzogs von Baden, wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die Gartenstadt, die zu diesem Zeitpunkt bereits aus 116 Häusern bestand, war dabei besonders festlich geschmückt.
Dr. Moericke erinnerte sich: „Überall standen die Leute in den Gärten und grüßten, auch die roten Genossen, die übrigens auch alle geflaggt hatten (wir hatten etwa 120 städtische Fahnen verteilt). … Es war 12 Uhr geworden und Hunderte von Schulkindern aus der Gartenstadt selbst und dem benachbarten Waldhof waren herbeigeströmt und folgten nun rechts und links zur Seite wie dem Rattenfänger von Hameln. ... Am Anfang der Gartenstadt war der Rundgang beendet, hierher waren die vier Autos gefahren, der Großherzog verabschiedete sich von mir und den anderen Herren, und in das Hoch, das ich zum Abschied ausbrachte, stimmten einige hundert Menschen ein, die sich hier angesammelt hatten“. Es muss ein schöner, friedlicher Tag gewesen sein, noch ahnte niemand, welch Unglück bald hereinbrechen sollte. . . .

Der erste Weltkrieg beendete die Tätigkeit des Stadtrechtsrats Dr. Otto Moericke bei der Stadt Mannheim. Er wurde als Leutnant einberufen. Im Sommer 1917 wurde er von der Front bei Verdun weg zum Bürgermeister von Speyer gewählt und da er verwundet war vom Kriegsdienst als Offizier freigestellt. Nach Kriegsende wählte man Dr. Moericke1919 zum Oberbürgermeister der Stadt Konstanz, wo er wiederum sehr beliebt und erfolgreich war. Das hinderte nicht, dass er durch den nationalsozialistischen badischen Reichsstatthalter 1933 abgesetzt wurde. Ein Schicksal, das damals viele Bürgermeister und Oberbürgermeister ereilte, bekanntlich auch den Mannheimer OB Dr. Hermann Heimerich.

Über die Zeit nach 1933 möchte ich mich kurz fassen und nicht auf Einzelheiten eingehen. Nur so viel, nach dem Zweiten Weltkrieg und dem totalen Zusammenbruch des so genannten Dritten Reiches, wurde Dr. Moericke zum Landrat von Lörrach bestellt, ein Amt das er mit bekannter Umsicht ausübte, aber durch die damaligen Umstände (französische Besatzung), Intrigen und Missgunst wieder verlor. Doch abschließend wollen wir ein Zitat aus Moerickes Erinnerungen nicht vorenthalten: „ Im Jahre 1950 feierte die Gartenvorstadtgenossenschaft ihr 40jähriges Bestehen und lud mich dazu ein. Die Feier fand am 2. September (1950) in der Wandelhalle des Rosengartens statt. Es waren einige hundert Männer und Frauen anwesend. Wie der Geschäftsführer (Walter Pahl) geschrieben hat, werde Altbürgermeister B. (Richard Böttger) den ich als sozialdemokratischen Arbeitersekretär für die Idee und als Vorstandsmitglied gewonnen und der mich in der Werbetätigkeit und in den Sitzungen verständnisvoll unterstützt hatte, einige Worte an die Versammlung richten und ich wurde gebeten, den Dank der Ehrenmitglieder für eine zu überreichende Urkunde zusammenfassend durch einige persönliche Worte zu ergänzen. B. sprach ziemlich ausführlich über die Gründung der Genossenschaft. Das veranlasste mich, der ich ja schließlich der Gründer und die treibende Kraft jener Jahre gewesen war, mehr als nur einige Worte zu sagen und in längerer freier Rede jene Zeiten heraufzubeschwören, die den Allermeisten der Anwesenden nicht bekannt waren. Das Thema Gartenstadt habe ich sehr, ja zu ausführlich behandelt (mehr als Erinnerung für mich als für Euch!), aber das müsst Ihr mir zu Gute halten, ist doch diese Gründung mit allem Drum und Dran ein besonderes Stück meiner Lebensarbeit gewesen“.

Wer so innig mit der Genossenschaft verbunden war, wie Dr. Otto Moericke, verdient es in hohem Masse, dass man sich seiner erinnert und dass er nicht vergessen wird. Dem Jan Thorbecke Verlag bin ich sehr dankbar, dass ich aus den Erinnerungen Otto Moerickes zitieren durfte.

Walter Pahl