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Ausgabe 01/ 2004

Richard Böttger

Vorstandsmitglied von 1910 – 1922, im Aufsichtsrat von 1922 - 1930

Er wurde im Januar 1957 Ehrenbürger der Stadt Mannheim, eine Ehrung, die er als eine „Ehrung der Arbeiterschaft“ verstand und in diesem Sinne auch entgegen nahm. Seine Worte bei dem Empfang im Florian-Waldeck-Saal des Reiß-Museums, zitiert aus einem Nachruf in der AZ (Allgemeine Zeitung) vom 2. September 1957: „Der Gemeinderat hat sich selbst geehrt, indem er einem Manne aus dem Volke die Würde des Ehrenbürgers zusprach“. Leider war es dem Ehrenbürger nicht vergönnt, sich lange an dieser hohen Auszeichnung zu erfreuen, denn noch im gleichen Jahr ist Richard Böttger 84jährig verstorben.

Böttger war kein Mannheimer. Er wurde 1873 in Eisleben geboren. Aber er ist ein Mannheimer geworden und wurde als „Mannheimer Repräsentant des sozialen Fortschritts“ bezeichnet. Der gelernte Glasergeselle, der gleich nach Aufhebung des Bismarckschen Sozialistengesetzes 1890 Mitglied der SPD wurde, blieb 1897 „auf der Walz“ in Mannheim hängen, weil ihn die auf dem Theaterzettel angekündigte Oper „Carmen“ im Nationaltheater interessierte. Den Escamillo spielte damals sein Landsmann Joachim Kromer. Er kam vom Theater und von Mannheim nicht mehr los. Nach der erwähnten Opernaufführung ließ er sich noch am gleichen Abend in der Innungsherberge verpflichten, die Satteldächer bei Bopp & Reuther zu verglasen.¹) 1904 wurde aus dem jungen Handwerker ein hauptamtlicher Arbeitersekretär der gleichfalls noch jungen Gewerkschaftsbewegung. Richard Böttger eignete sich ein umfangreiches Wissen in Sozialfragen an und kam dadurch auch bald zu einer engen politischen Zusammenarbeit mit dem Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Frank. 1907 wurde er, der „vaterlandslose Geselle“, wie man damals die Sozialdemokraten bezeichnete, als Stadtverordneter in den Mannheimer Bürgerausschuss gewählt.

Es ist anzunehmen, dass Ludwig Frank den Genossen und Gewerkschafter Richard Böttger für die Gartenstadtidee begeistern konnte. Böttger warb in Arbeiter- und Gewerkschaftskreisen sehr engagiert dafür, die Familien aus den engen Mietskasernen herauszuholen und ihnen ein Häuschen im Grünen zu schaffen. Das war damals eine kühne und avantgardistische Idee, die in manchen Kreisen auch milde belächelt wurde. Aber in Mannheim wurde die Idee durch die Gründung der Gartenvorstadt-Genossenschaft, wie sie damals genannt wurde, in die Tat umgesetzt. Es konnte damit ein Beispiel für die Tragfähigkeit genossenschaftlicher Solidarität gegeben werden. In der Gründungsversammlung 1910 wurde Richard Böttger in den ersten Vorstand der Genossenschaft gewählt. 1913 zog er als inzwischen anerkannter Sozialexperte seiner Partei in den badischen Landtag ein. Dem Genossenschaftsvorstand gehörte Richard Böttger bis 1922 an. Diese Tätigkeit war allerdings 1914, ebenso wie bei Dr. Otto Moericke, durch seine Einberufung bis zum Kriegsende jäh unterbrochen worden. Bürgermeister Dr. Julius Finter und der Geschäftsführer der Konsumgenossenschaft, Otto Meißner, nahmen in dieser Zeit die Aufgaben der beiden Einberufenen als stellvertretende Vorstandsmitglieder wahr.

Die Anfangszeit der Genossenschaft gestaltete sich als besonders schwierig und erforderte einen hohen Einsatz an Arbeitskraft und Zeit. Es war jedoch bereits eine stattliche Siedlung entstanden, als der I. Weltkriegs ausbrach. Sofort wurden 76 Mieter und 42 Söhne aus der Gartenstadt einberufen und viele Mitgliedsfamilien wurden dadurch in bittere Not gestürzt. Der Krieg hinderte dann die weitere Bautätigkeit der Genossenschaft und die weitere Realisierung der vorgesehenen Bebauungspläne. Der Vorstand ermäßigte seinerzeit in Notfällen, ohne eine gesetzliche Verpflichtung, die festgesetzten Mieten, um in der besonderen Situation den Familien eine Hilfe zu geben. Aus Spendengeldern wurden an Weihnachten den Kindern von Eltern mit „erwerbsbeschränkten Einkommen“²) oder bei denen der Vater im Felde stand, warme Winterkleidung beschert. Ende 1914 wohnten immerhin schon 174 Familien in der Gartenstadt. Sofort zu Kriegsbeginn hatte sich die Genossenschaft auch in den Dienst der städtischen Kriegsfürsorge gestellt und bei der Verteilung der Lebensmittelausweise mitgeholfen. Der Geschäftsbericht von 1916 meldete nicht ohne Stolz, dass bei Einrechnung der zu diesem Zeitpunkt 120 Einberufenen die Siedlung 850 Einwohner hat, und weiter: „Die Gartenstadt ist daher an Bewohnern heute schon zahlreicher als manche mittlere Landgemeinde“. Ab 1919 konnte endlich die Bautätigkeit in der Gartenstadt wieder aufgenommen werden, außerdem begannen auch unmittelbar nach Kriegsschluss die Planungen der Almenhofsiedlung durch den damit beauftragten Architekten Dr. Max Schmechel.

Ende 1919 wurde Richard Böttger zum besoldeten Stadtrat für das Sozialwesen bestellt und ab 1926 durfte er sich in diesem Amt auch Bürgermeister nennen. Es war allerdings eine Zeit bitterer Not, weil es am „Notwendigsten“ fehlte und Böttger bekam im Volksmund schon bald den Beinamen „Armuts-Dezernent“. Die Knappheit an den wichtigsten Nahrungsmitteln und Gütern nach dem Krieg war groß und führte alsbald zu Preissteigerungen bis hin zur völligen Entwertung der Löhne. Die Inflation hatte 1923 ihren Höhepunkt und traf insbesondere die ärmeren Schichten der Bevölkerung hart. Die enormen sozialen Probleme, Folgen der extrem hohen Arbeitslosigkeit, führten viele in verzweifelte Notlagen. „Der Schrei nach Lohn und Brot“ beschäftigte den ehemaligen Arbeitersekretär Tag und Nacht. Die von ihm eingerichtete Notküche der Stadt verteilte 1932 nach Angabe der Statistischen Monatsberichte 300.000 Essen zu 30 Pfennigen an die Bevölkerung! Mit aller Kraft widmete er sich denjenigen, die „im Schatten leben“. Es war eine schwere Last für ihn, denn die Sozialausgaben der Stadt wuchsen immer schneller und höher und die Stadt konnte auch damals nicht aus dem Vollen schöpfen. Dennoch wandelte Böttger in dieser Zeit die so genannten „Almosenempfänger“ in Unterstützungsberechtigte um; der soziale Fortschritt in der Stadt gewann an Boden. Es waren dies aber nicht nur psychologische Hilfen für die Betroffenen, sondern spürbare Verbesserungen. Er führte das so genannte „Genter System“ ein, das für die Arbeitslosen neben gewerkschaftlicher Unterstützung eine städtische Beihilfe von täglich 80 Pfennigen zu einer Zeit einbrachte, als es noch keine kommunale Arbeitslosenhilfe gab. Aber auch etliche Kindergärten, die Mannheimer Milchzentrale, ein Mütterheim und das Fröbelseminar gehen auf seine Initiativen zurück. In der damals als „Armenpflege“ bezeichneten Tätigkeit arbeitete er auf das Engste mit dem Bürgertum zusammen und wurde den Mannheimern ein Begriff auf den Gebieten der sozialen Wohlfahrt, der Jugendpflege und des Gesundheitswesens.

1922 wechselte Richard Böttger vom Vorstand der Genossenschaft in den Aufsichtsrat. Dieses Amt hatte er wohl bis Ende 1930 inne, denn der Geschäftsbericht für dieses Jahr führte ihn noch unter den Aufsichtsratsmitgliedern auf, während der Bericht 1931 keine Angaben mehr über ihn enthält. Die Berichterstattung über personelle Veränderungen in den Gremien war seinerzeit leider etwas dürftig. 1933 wurde Richard Böttger von den Nationalsozialisten, genau wie Oberbürgermeister Dr. Heimerich aus seinem städtischen Amt gejagt. Die „Neue Mannheimer Zeitung“ schrieb darüber am 15. März 1933: „Gestern Nachmittag ist auch Bürgermeister Böttger in Schutzhaft genommen worden. Die Verhaftung erfolgte durch eine Abordnung der SS im Amtszimmer im Rathaus. Als Bürgermeister Böttger verlangte, von der Polizei verhaftet zu werden, wurde ihm bedeutet, dass ausreichender Schutz für seine Person gewährleistet sei. Herr Böttger wurde denn auch auf dem Wege zum Gefängnis vor jeder Bedrohung geschützt. In der Nähe des Rathauses hatte sich wieder eine große Menschenmenge angesammelt“. Man kann sich heute kaum vorstellen, dass diese Menschen für Böttger eine Bedrohung gewesen sind, es könnte eher angenommen werden, dass einige davon als Provokateure bestellt waren. Ein Jahr vor der Verhaftung Böttgers, genauer, am 26. Februar 1932 hatte die gleiche Zeitung Böttger zum 25jährigen Jubiläum im Dienste der Stadt gratuliert und attestiert: „Selbst der politische Gegner wird ihm am heutigen bedeutungsvollen Tage die Anerkennung nicht versagen, dass er stets bemüht gewesen ist, in dem übertragenen Pflichtenkreis, dessen Rahmen sich immer weiter spannte, je größer die wirtschaftliche Not wurde, zu zeigen, dass er der rechte Mann auf diesem schweren, verantwortungsvollen Posten ist“.

Nach 1945 kehrte Böttger wieder in sein Amt zurück. Er setzte seine ganze Kraft ein, die in der NS-Zeit hinterlassenen Scherben zu beseitigen. Bei der Festigung des demokratischen Gemeinwesens arbeitete er sofort tatkräftig mit. Bei unserer Jubiläumsveranstaltung zum 40jährigen Bestehen der Genossenschaft sprach er 1950 in der Wandelhalle des Rosengartens als Gründungsmitglied zu den Anwesenden. Der Rosengarten war damals noch weitgehend zerstört, nur die Wandelhalle im Erdgeschoss war für gelegentliche Veranstaltungen hergerichtet worden. Richard Böttger schied im Alter von 75 Jahren aus seinem schwierigen aktiven Dienst bei der Stadt Mannheim aus. In verschiedenen Organisationen und Institutionen arbeitete er jedoch unermüdlich weiter, so z. B. in der Theatergemeinde, in der Milchzentrale, in der gebildeten Notgemeinschaft und in der Kriegsgräberfürsorge. Das Alten- und Pflegeheim am Meeräckerplatz trägt den Namen „Richard-Böttger-Heim“ zu seinen Ehren. Auch wir haben allen Grund unserem verdienten Gründungs- Vorstands- und Aufsichtsratsmitglied alle Zeit dankbar zu sein.

Walter Pahl



¹) Nach einem Bericht der Rhein-Neckarzeitung vom 8. Oktober 1948 zum Ausscheiden Richard Böttgers aus dem aktiven Dienst der Stadt Mannheim.
²) Geschäftsbericht der Genossenschaft 1914